01.04.2009

Was dachte wohl das indische Hotelpersonal, als sie eine Wärmflasche im Bett meiner Freundin fanden? Drei Tage rätselten sie bis sie sich ein Herz fassten und fragten, welche Funktion oder Bedeutung dieses Ding wohl hätte. Als dies geklärt war, brachte der Oberste höchst persönlich, mit warmen Wasser gefüllt auf zwei Händen tragend, abends ins Zimmer.

Welchen Stellenwert haben zu-Bett-geh-Rituale? Und teure Unterwäsche? Bei Frauen einen hohen.

02.04.2009

Fructose-Intoleranz - keine Intoleranz. Was stimmt denn nun? Der Messwert gestern war so hoch, dass man uns zu einem ärztlichen Gespräch bat. Der Arzt heute widerum fragte nach Symptomen nach dem Test und meinte, es sei nicht stimmig. Fazit keine Allergie. Meine Tochter war sauer, was ich einerseits verstehen kann. Es ist kaum auszuhalten, wenn man in seiner Lebensqualität stark eingeschränkt ist, aber nicht weiß, welche Ursache dies hat. Andererseits kann sie sich nicht vorstellen, was ihr erspart geblieben ist.

03.04.2009

G-20 Gipfel
Beschluss: Die Banken werden global an die Leine genommen. Steueroasen sollen ausgetrocknet werden.

04.04.2009

Die Welt schrumpft zu einer Insel. Es gibt keine neuen Freundschaften mehr zu knüpfen. Zu verschieden sind die Menschen und zu gering die Schnittpunkte. Zu individuell die Lebensstile, zu flüchtig die Bekanntschaften. Um so mehr freue ich mich über das Wiederfinden alter, längst verloren geglaubter Freunde. Die gemeinsame Erinnerung an durchzechte Nächte und Teenagerproblemen. Wir hatten die selbe Philosophie: Glücklich werden. Auch wenn es manchmal Kritik unter einander gab, war doch das gemeinsame Erleben Mittelpunkt des Strebens. In der Hoffnung, dass sich dabei nicht viel geändert hat, zieht man sich mit ihnen zurück.

05.04.2009

Erdbeben in Italien. 17.000 Menschen wurden mitten in der Nacht obdachlos, hunderte starben. Es geschieht durchschnittlich alle zehn Jahre. Was hält die Bewohner dort? Wägen sie das Risiko zwischen VIELEICHT alles zu verlieren - auch das Leben und dem ich gebe freiwillig alles auf, um dort neu zu beginnen, wo ihr Leben in relativer Sicherheit ist? Geben sie jemanden die Schuld oder nehmen sie es hin? Fördert ein Katastrophe die Solidarität? Ja. Und sie sagen sich wahrscheinlich: "Jetzt erst recht!"

06.04.2009

Italienischer Ministerpräsident Berlusconi fordert Erdbebenopfer auf, ihre Obdachlosigkeit als netten Campingurlaub zu sehen.

07.04.2009

Zur Begrüßung ein Steinwässerchen. Der Gedanke, dass es nicht schadet und vielleicht wirken könnte ist tröstlich. Manchmal glaube ich daran, manchmal aber auch nicht.

Warum treibt ein Erbschaftsstreit einen Menschen zum Amoklauf in einem Gericht? Wegen ca. 13.000 Euro, die durch die Gerichtskosten wahrscheinlich schon längst aufgezehrt sind? Eben deshalb? Rache? Du hast mein Leben ruiniert, deshalb reiße ich dich mit in den Tod?

08.04.2009

Soziale Verantwortung: In einem Tierpark traktierte ein kleiner Junge ein Schaf, das am Zaun entlang lief, mit einem langen Stock. Mein Sohn schaute kurz zu, ging entschlossen zu dem Kind und sprach mit ihm. Ich lobte ihn für sein Tierengagement und bekam darauf hin zur Antwort. "Ja Mama, aber er wollte nicht, dass das Schaf ausbricht. Deshalb hat er es immer wieder zurück getrieben."

09.04.2009

Gründonnerstag. Rocky Horror Picture Show. 2 Kugeln Eis: 5.20€.
Frühere Traditionen, wie Bauerntänze, die als Brauchtumstradition weiter gegeben wurden, haben sich in meinem Leben u.a. zu Rochmusik und Kultfilmen gewandelt. Deshalb besuchte ich das Musical "The Rocky Horror Picture Show" mit meiner Tochter. Amüsiert beobachteten wir das sehr gemischte Publikum. Von 12 bis 72 waren alle vertreten. Begeisterte Anhänger spritzten mit Wasserpistolen um sich (die sie vorher in der Toillette aufgefüllt hatten) und warfen mit Klopapierrollen. Man feierte sich selbst und das Theater. Und das in der Alten Oper zu Frankfurt!

10.04.2009

Karfreitag. Ich mag mir jetzt die Antipathie vieler Christen einhandeln, aber ich bin der Meinung, dass Jesus einer von vielen Märtyrern war - wahrscheinlich ein bedeutender und einer der Wunder tat (aber davon gibt es heute auch einige). Und nach dem christlichen Glauben sind wir alle Kinder Gottes, also Söhne und Töchter. Jeder hat auch sein Kreuz zu tragen und Märtyrer ist ebenfalls jeder, weil wir jeden Tag im Zusammenleben mit anderen ein Stückchen unseres Lebens aufgeben müssen. Vielleicht auch um zu wachsen. Ostern ist für mich Sinnbild des Lebens an sich: Aufstieg, Fall und Auferstehung. Somit ganz alltäglich. Sollte man nicht jeden Tag Ostern feiern? Meinen Kindern vermittele ich diese Tage als Kultur und somit Teil unserer Geschichte. Damit sie unsere Gesellschaft im allgemeinen verstehen lernen. Ob sie den christlichen Glauben übernehmen wollen oder einen anderen wählen, werden sie später sowieso selbst entscheiden.

11.04.2009

Mediaevalis: lat. Mittelalter.
Mittelaltermärkte werden immer beliebter. Sie haben einen einfachen und friedlichen Charakter. Sie versprechen eine schöne heile Welt, obwohl dies damals wohl kaum der Realität entsprach. Angesteckt von der Atmosphäre besuchten mein Mann und ich hier vor Ort einen Laden, der mit der Ausstattung von mittelalterlichen Rollenspielen handelt. Dort fand ich ein Prachtstück von einer Seeräuberpistole. Natürlich eine Attrappe, aber eine gute! Ich freute mich wie ein kleines Kind, weil ich an Halloween und an Karneval damit prahlen kann.

12.04.2009

Zwei Welten treffen aufeinander: die geradlinig-kopflastige auf die gewunden-emotionale. Wellenlängen. Schnittpunkte: gibt es regelmäßig, aber wenige. Ansonsten nur Distanz.

13.04.2009

Vorläufige Abrechnung: Mein Lebenstraum platzt nun endgültig. Mein Mann ist nicht gesprächsbereit, obwohl es ihn auch betrifft.

14.04.2009

Auch das noch: Mein Handy ist weg - Hurra es ist wieder da ! Erst wenn es verschwunden ist, wird man gewahr, welchen Preis man für mobile Kommunikation bezahlen muss.

Verrechnet - ich darf weiter träumen!

15.04.2009

Ich glotz' TV! Den ganzen Tag bis in den späten Abend hinein.

16.04.2009

Das große Zittern hat begonnen. Wahrscheinlich habe ich mehr Angst vor der Eignungsprüfung meiner Tochter, als sie selbst. Ich weiß, dass es nicht in meiner Macht steht, kann aber trotzdem nicht gelassen bleiben.

17.04.2009

Kino-Odyssee. Wieder ein Tag der langen Wege. Ich hatte meinem Sohn und seinem Freund versprochen, mit ihnen ins Kino zu gehen. An der Kinokasse wurde uns mitgeteilt, dass der gewünschte Film ausverkauft sei. Enttäuschung machte sich breit. Um Zeit zu gewinnen, spendierte ich eine Runde Eis. Ein Zufall schien den Tag zu retten: Ich suchte auf meinem Handy die Taste für die Telefonauskunft, um ein weiter gelegenes großes Kinocenter anzurufen, und traf die falsche: "Willkommen bei web'n walk!" 'Oh.' dachte ich, 'das ist ja noch viel besser, da finde ich bestimmt das Programm.' Das stimmte. Da aber das Display so klein und die Programmübersicht untereinander geschrieben war, verlor ich schnell die Übersicht und die Geduld. Ich beschloss, Karten für die spätere Vorstellung zu kaufen. Wir also den ganzen Weg zurück in das alte Kino. "Die nächste Vorstellung ist auch ausverkauft." - "Was ist mit dem anderen Film?" fragten die Jungs. "Auch ausverkauft, alle beide." Entnervt packte ich die beiden ins Auto und fuhr auf Verdacht in das Kinocenter. Letztendlich verpassten wir eine halbe Stunde von einem Film, der gar nicht für diesen Tag geplant war: Willis Wunder der Welt. Ein empfehlenswerter solcher mit dem Prädikat pädagogisch wertvoll. Den Jungs hat es gefallen und ich bin dem Hollywood-Schwachsinn entkommen.
Während der Fahrt diskutierten beide über Gott und die zehn Gebote. Mein Sohn wollte unbedingt ein Bild von Gott malen und sein Freund redete unaufhaltsam auf ihn ein, dass das verboten sei. Mein Sohn wollte sich davon nicht abbringen lassen und argumentierte damit, dass er Gott doch lieb darstelle und er nichts dagegen haben könne.

18.04.2009

Territoriumskämpfe: Ein sich liebendes Paar, von denen der eine die Freunde des anderen nicht leiden kann - und umgekehrt, teilt die Freitag- und die Samstagabende in Herrschaftsbereiche auf. "Das ist mein Platz in der Stadt, da kommst du gefälligst nicht hin." Ein weiteres Kleidungsstück ergattert: schwarzer Samtgehrock. Freude.
Stopp-Schild für Pädophile Internetseiten.

19.04.2009

taz wird 30. Durch den ganzen Medienrummel bin ich neugierig geworden. Ich las sie heute zum ersten Mal. Gefällt mir, ist nicht so steiff.

Akkordarbeit. Ich habe heute knapp 6 Bilder gemalt. Glücklicherweise notiere ich mir fast täglich meine verbliebenen Themen, sonst wäre dieses Projekt schon längst gestorben.

20.04.2009

Oh Deutschland, mein Heimatland! Spätestens alle zwei Jahre müssen wir 'ran. Mir graut es jedesmal davor. Die Hecke muss nämlich geschnitten werden - und das schräg, weil sie an einem Hang steht und mit der Höhe der jeweiligen Nachbargrundstücke abschließen muss. Wir schaffen das nicht einmal annähernd gut. Ich neige zur Ambivalenz bei dem Thema Bebauungsrichtlinien, o.ä.

21.04.2009

Was geschieht, wenn das Handynetz ausfällt? Inneres Entsetzen. "Habe ich die Telefonrechnung bezahlt?" - "Ist mein Handy kaputt?" - "Was, wenn mich XY erreichen will?" Hektische Betriebsamkeit. Zuerst werden verschiedenen Nummern getestet. Kein Anschluss. Dann wird nach Hause gefahren und die Telekom vom Festnetz aus angerufen. Kein Durchkommen. Nächste Möglichkeit: Bekannte auf dem Festnetzanschluss anrufen und fragen, ob deren Handy geht und das so lange, bis man festgestellt hat, dass nur das Netz des einen Anbieters nicht funktioniert.
Privat mag es ganz lustig sein (für mich war es das), denn man erinnert sich an vergangene Kindertage. Für meinen Mann war es weniger angenehm, denn er wartete auf einen geschäftlichen Rückruf.

22.04.2009

So, nun ist die nährere Zukunft meiner Tochter entschieden. Sie hat heute den Eignungstest absolviert. Von dem, was sie mir erzählt hat, habe ich den Eindruck, dass es sich mittlerweile um eine Art Assessmentcenter handelt. Die Schule testet nicht nur fachspezifische Fähigkeiten, sondern überprüft so nebenbei auch noch Charakterzüge und Einstellungen.

 

23.04.2009

Intra-Poren-Technologie. Wie lange haben die Werber wohl Brainstorming betrieben, um diesen nichtssagenden Begriff zusammen zu puzzlen?

Meine Tochter und ich verzogen schon nach diesem Werbespot das Gesicht, prusteten aber laut los, als direkt danach der nächste kam: Zahncreme oder -bürste mit 360 Grad-Analyse.

24.04.2009

Hausfrauen-Routine: Waschen Kochen Putzen Bügeln.

25.04.2009

Nacht der Museen - Frankfurt. Ich weiss nun, warum Kunst immer weniger Publikum anzieht. Ohne eingehende Erklärung wird sie nicht verstanden. Oder man muss weit laufen, um wenigstens den Titel zu erfahren (Museeum für Moderne Kunst). am enttäuschendsten ist es dann, wenn darauf steht: "Ohne Titel". Zwei Beispiele seien hier genannt: Leinwand, gleichmäßig schwarz. Ein Paar Leinwände, weiß, gerahmt durch einen schmalen mittelgrauen Streifen und einem breiteren Schwarzen Rahmen. Ohne Titel. Dazu fällt mir, ehrlich gesagt, auch nicht mehr ein. Aussagekräftiger fand ich hingegen das Doppelbett mit zwei Flatscreens auf den Kissen. Ein Bildschirm zeigt den Kopf einer Frau, der andere den eines Mannes. Ohne Worte interagieren sie. Plötzlich steht der Mann auf, der Bildschirm zeigt das zerknauschte Kissen, während dessen sich die Frau auf dem anderen Monitor missmutig umdreht, usw. (Museeum für Kommunkikation) oder ein Video über Interviews mit Frankfurter Jugendlicher verschiedener Kulturkreise. (Frankfurter Kunstverein).

26.04.2009

Schweinegrippe. Eine neue unsichtbare Gefahr breitet sich aus. So jedenfalls schreien es die Medien in die Welt hinaus. Sie pflanzen das Wort Pandemie in die Köpfe der Menschen, damit deren Angst neue Schlagzeilen nähren kann.

 

 

27.04.2009

Heute Nacht habe ich Erste Hilfe geleistet. Ein verwundetes Herz musste versorgt werden.

28.04.2009

Wenn es das Fernsehen nicht gäbe, würde ich eine Menge Leinwände leer lassen und wir würden erst spät erfahren, dass ein Jumbo Jet die New Yorker in Angst und Schrecken versetzt hat. Das dies dann auch noch die "Präsidentenmaschine" war und selbst der Bürgermeister davon nichts wusste, grenzt doch fast an absolute Ignoranz seitens des Beamtenapparates.

29.04.2009

Ein Mittwoch. Keine Erinnerung.

30.04.2009

Amokfahrer versucht Attentat auf die Königsfamilie in Holland.

Bombenalarm in einem AKW in Frankreich.

Merke: Kein Alkohol, wenn Kinder abends unterwegs sind. Zu 99,9% kommen sie relativ pünktlich und sicher nach Hause. Es gibt da aber dieses kleine Restrisiko, dass da heißt: "Hilfe, Mama, ich weiß nicht wie ich zurück komme. Hol' mich ab." Mit einem Bier ist man genau auf der Grenze zwischen "Einem Monat Fahrverbot" und "Dein Körper arbeitet schnell - Glück gehabt". Da schaltet sich der Mutterinstinkt ein: Nimm mein Leben, aber verschone das meines Kindes.